Ein Großteil der in Deutschland betriebenen Aufzugsanlagen hat bereits viele Betriebsjahre hinter sich. Während Gebäude kontinuierlich renoviert und energetisch saniert werden, verbleiben Aufzüge häufig im technischen Zustand ihrer Erstinstallation. Eine Modernisierung steigert jedoch nicht nur die Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit, sondern senkt auch langfristig die Betriebskosten und sichert die Rechtskonformität für Betreiber.
Status quo: Wie alt sind Deutschlands Aufzüge wirklich?
Nach Schätzungen des VDMA (Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen) und Daten aus dem aktuellen Anlagensicherheitsreport des TÜV-Verbands e. V. sind in Deutschland rund 800.000 Aufzugsanlagen in Betrieb. Die Altersstruktur zeigt deutlichen Nachholbedarf:
- Über 50 % aller Anlagen sind älter als 20 Jahre.
- Mehr als 20 % befinden sich seit über 40 Jahren nahezu unverändert im Dauerbetrieb.
Zwar garantieren regelmäßige Wartungen die Grundfunktionalität, dennoch entsprechen ältere Steuerungssysteme und mechanische Komponenten nicht mehr dem Stand der Technik und den heutigen Effizienz- sowie Sicherheitsstandards.
Der Alterungsprozess: Verschleiß und verdeckte Risiken
Mit zunehmendem Alter steigen die Störanfälligkeit und die Betriebskosten. Typische Verschleißerscheinungen betreffen:
- Relais- und Schützsteuerungen: Sie neigen zu Kontaktschwierigkeiten, sind fehleranfällig und Ersatzteile sind oft schwer oder gar nicht mehr lieferbar.
- Treibscheiben und Tragseile: Mechanische Materialermüdung erhöht das Risiko von Ruckeln und ungenauer Haltegenauigkeit.
- Türkomponenten: Türmechaniken und Lichtschranken zählen statistisch zu den Hauptursachen für ungeplante Stillstände.
Sicherheitsrisiken wie eine ungenaue Bündigstellung an den Haltestellen bergen zudem erhebliche Stolpergefahren für Personen – ein zentraler Punkt bei Haftungsfragen.
Neue Technik & Innovationen im Überblick
Moderne Aufzugstechnik setzt Maßstäbe in den Bereichen Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Digitalisierung.
Energy Efficiency
- Frequenzgeregelte Antriebe (VVVF): Reduzieren den Anlaufstrom und den Energieverbrauch um bis zu 40 %.
- Standby-Modus & LED: Automatische Abschaltung von Licht und Anzeige bei Nichtgebrauch spart kontinuierlich Strom.
- Rückspeisefähige Antriebe: Speisen Bremsenergie direkt wieder in das mechatronische Hausnetz ein.
Barrierefreiheit nach DIN EN 81-70
- Stufenlose Bündigstellung der Fahrkorbgrundfläche mit der Etage.
- Optische und akustische Etagenansagen sowie barrierefreie Bedienelemente mit Brailleschrift und Kontrasten.
- Lichtgitter über die gesamte Türhöhe zur Vermeidung von Einklemmungen.
Smarte Steuerung & Predictive Maintenance
- IoT-Schnittstellen: Fernüberwachungssysteme erfassen Verschleißwerte in Echtzeit und ermöglichen die Wartung, bevor eine Störung auftritt (Predictive Maintenance).
Neue Vorschriften & Rechtslage
Der Gesetzgeber verpflichtet Betreiber gemäß der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), den Stand der Technik fortlaufend zu berücksichtigen.
- TRBS 1111 (Gefährdungsbeurteilung): Betreiber müssen bestehende Risiken bewerten und durch technische Maßnahmen minimieren.
- DIN EN 81-80: Dieser Leitfaden zur Erhöhung der Sicherheit bestehender Personen- und Lastenaufzüge definiert deutliche Sicherheitsdefizite älterer Anlagen und gibt klare Nachrüstempfehlungen
Eine gezielte Modernisierung schließt diese Sicherheitslücken und sichert die Rechtskonformität gegenüber Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS).
Vollmodernisierung vs. Teilmodernisierung
| Kriterium | Teilmodernisierung (Komponenten-Update) | Vollmodernisierung (Ersatzanlage) |
| Fokus | Austausch fehleranfälliger Teile (z. B. Steuerung, Antrieb, Türen) | Kompletter Austausch des gesamten Systems inkl. Schienen & Fahrkorb |
| Kosten | Zielgerichtet, oft 30–60 % günstiger als Neuanlage | Höhere Investitionskosten |
| Ausfallzeit | Geringer (meist wenige Tage bis 1–2 Wochen) | Länger (oft mehrere Wochen Umbauzeit) |
| Substanz | Grundstruktur bleibt erhalten | Komplett neuer Lebenszyklus |
Empfehlung: In vielen Fällen ist eine strukturierte Teilmodernisierung die wirtschaftlichste Lösung, um die Zuverlässigkeit schrittweise wieder auf Neuwagenniveau zu heben.
Fazit
Eine Aufzugsmodernisierung ist keine reine Instandhaltungsausgabe, sondern eine Werterhaltung der Immobilie. Sie sichert den Werterhalt, senkt laufende Strom- und Reparatorkosten und schützt Eigentümer sowie Verwalter vor rechtlichen Konsequenzen.